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Der Zenaida Juan-Effekt

Jetzt ist auch die philippinische Staatsbürgerschaft im eigenen Heimatland nichts mehr wert.

Das in dem Land mit den 7107 Inseln die Uhren etwas anders ticken als in Europa, ist längst kein Geheimnis mehr. Zumindest aber gibt es eine gemeinsame Erkenntnis, die hier wie dort sicherlich niemand bestreitet: für die Philippinen sind die im Ausland lebenden Oversea Workers in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine geworden. Wenn hierbei von Auslands-Filipinos gesprochen wird, dann sind natürlich nicht wirklich die Menschen gemeint, die der philippinischen Regierung am Herzen liegen, sondern zuallererst natürlich der enorme Devisenrückfluß, den diese Filipinos in ihr Heimatland leiten.

Deshalb stellt sich die Frage, weshalb die philippinische Regierung nicht daran interessiert ist, ihr im Ausland "lebendes Multifunktionskapital" bei Laune zu halten? Anstatt den nie versiegenden Quell weltweit sprudelnder Geldüberweisungen wie einen kostbaren Schatz zu hüten, werden die Auslands-Filipinos immer wieder mit selbstherrlichen Entscheidungen derb vor den Kopf gestoßen. So manch anmaßende Behörde scheint nicht auf die Idee zu kommen, daß ihr abweisendes Verhalten irgendwann einmal dazu beitragen könnte, den bisherigen Geldsegen zum Versiegen zu bringen.

Um das philippinische Konjunkturpotential namens "solventer Auslands-Filipino" etwas genauer verstehen zu können, bedarf es nur einiger weniger Fakten: in Europa sind etwa eine halbe Million Migranten aus den Philippinen registiert. Davon leben allein in Deutschland ca 62.000, wobei der Anteil der Frauen mit 80% auffallend hoch ist. Es gibt zwei Gründe für den beträchtlichen Frauenquote: 1.) früher ließ Deutschland bevorzugt fehlendes Personal für frauentypische Berufe aus den Philippinen einreisen - vorzugsweise Krankenschwestern, Hebammen und Haushaltshilfen. 2.) Mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit vor knapp zwei Jahrzehnten ist hierzulande der Bedarf an philippinischen Mitarbeitern langsam in die Bedeutungslosigkeit versunken. Stattdessen hat der deutsche Mann allmählich seine Begeisterung für die philippinische Ehefrau entdeckt - was letztendlich wohl auch auf den mitunter partnerschaftskonträren Emanzipationseifer der deutschen Frau zurückzuführen ist.

Wie immens die Philippinen von diesem Auslandsfaktor finanziell abhängig sind, beweist der Umstand, daß weltweit ein Kapitalzufluß über ca 4,4 Milliarden US-Dollar eingenommen wird. Aber bleiben wir bei Deutschland und auch nur bei den Frauen: die ca 49.600 hierzulande lebenden Filipinas senden alljährlich ca 39,88 Millionen Euro (ca 78 Mio. DM) in ihr Heimatland. Im Gegensatz zu dieser Summe sind die zusätzlichen Einnahmen aus Tourismus, Außenhandel, Spenden und Entwicklungshilfe verschwindend gering. Die wichtigsten ausländischen Investoren, um die das Board of Investment andauernd buhlt, wurden durch anhaltende Terrorakte, Korruption und partnerfeindliche Vertragsmachenschaften weitestgehend vergrault. Allein die deutsch-philippinische Fraport-Affäre hat weltweit für einen dauerhaften Vertrauens- und Gesichtsverlust gesorgt, den weder philippinische Unternehmen noch die mitschuldige Regierung rasch aus der Welt schaffen können.

Es stellt sich also erneut die Frage, weshalb die Philippinen nicht ernsthaft bemüht sind, echte Gegenleistungen für den so immens wichtigen ausländische Kapitalzufluß zu bieten. Bei dieser Gegenleistung muß es sich nicht unbedingt um Werte handeln, die das Land nicht aufzubringen in der Lage ist. Fairneß und Ehrlichkeit bei der Behandlung von Geschäftspartnern würde für's Erste schon ausreichen. Diese selbstverständliche Aufmerksamkeit sollte eigentlich vorrangig für solche Kapitalbringer gelten, die alljährlich die größte Summe ins Inselreich schicken: nämlich die Auslands-Filipinos in ihrer Eigenschaft als private Geldversender. Deren Devisenrückfluß unterteilt sich in zwei Hauptbereiche: ca 20% für familiäre Unterstützungsmaßnahmen und ca 80% für Investitionen.

Auf diese Weise werden auch die in Deutschland lebenden Filipinas für ihr Heimatland zu echten Investoren. Von den 39,88 Mio. Euro, die sie jedes Jahr auf die Philippinen überweisen, werden ca. 32 Mio Euro für Landerwerb, Hausbau, Firmengründung oder -modernisierung u.a. Multiplikatorgeschäfte eingesetzt.

Es gibt in diesem Zusammenhang freilich einen wichtigen Sachverhalt, der nicht ignoriert werden darf: wenn hier von Filipinas gesprochen wird, sind selbstverständlich die philippinischen Ehefrauen von deutschen Männern gemeint. Damit ist auch klar, daß der Kapitalrückfluß auf die Philippinen keineswegs nur aus Finanzmitteln besteht, die von Filipinas erwirtschaftet werden, sondern in erster Linie von deren Ehemännern. Hierbei handelt es sich entweder um "direkte Gelder", die der deutsche Ehepartner aus seiner eigenen Tasche beisteuert. Oder es handelt sich um "indirekte Gelder" des Ehemannes: dies sind Beträge, die die Filipina nur deshalb aus eigener Kraft erwerben kann, weil sie zu Hause von sämtlichen finanziellen Verpflichtungen befreit ist. Wenn es um größere Beträge geht - z.B. für den Erwerb von Immobilien - ist es eigentlich immer der deutsche Ehemann, der die Hauptsumme bezahlt.

Das bedeutet: der private Kapitalrückfluß durch Auslands-Filipinos basiert normalerweise immer auf einer ehelichen Gemeinschaftsaktion zwischen dem deutsch-philippinischen Ehepaar. So war es auch bei uns...wobei wir jetzt zum eigentlichen Thema kommen, das sich als aufklärendes Beispiel für die aktuellsten behördlichen Gepflogenheiten auf den Philippinen versteht.

Ich bin seit fast 11 Jahren mit meiner Ehefrau Myrna verheirat, und seit derselben Zeit lebt Sie unter unserem Familiennamen Kassau in Deutschland. Myrna (geborene Candol aus Samal Island bei Davao City / Mindanao) ist nach wie vor philippinischer Staatsbürger. In den vergangenen acht Jahren haben wir auf Samal mehrere Grundstücke gekauft, von denen einige auf den Besitzernamen "Myrna Kassau, married with Sven Kassau" und andere auf den Namen von Myrna's Mutter eingetragen wurden. Wenn ich ehrlich bin, muß ich zugeben, daß ich mich eigentlich nie so richtig um die diesbezüglichen Eigentumsrechte gekümmert habe. Zumal ich in meiner Eigenschaft als Deutscher ohnehin kein Besitzrecht habe.

Im Verlauf der letzten zwei Jahre hatte sich die Situation jedoch geändert. Die qm-Preise sind geradezu explodiert. Das Land, das sich in "unserem" Besitz befindet, hat immens an Wert gewonnen. Und die Kosten für die beiden Grundstücke, die wir in den letzten zwei Jahren gekauft haben, waren fast dreimal so hoch wie früher. Deshalb war ich von nun an natürlich daran interessiert, daß die Eigentumsvermerke "Myrna Kassau, married with Sven Kassau" korrekt ausgeführt werden. Die Randbemerkung "...married with" ändert natürlich nichts daran, daß mir an dem Grundbesitz trotzdem nichts gehört. Dieser Zusatz entspricht bestenfalls einer "kosmetischen Ergänzung" und wäre nicht wirklich bedeutsam.

Die behördlichen Abwicklungen schienen auch diesmal nur eine Formsache zu sein - wie üblich natürlich mit wachsender Verzögerung. Auf dem Gelände, das wir im September 2002 erstanden hatten, wurde im November desselben Jahres mit dem Bau eines Hauses begonnen. Wenige Wochen später hat uns Myrna's Mutter mitgeteilt, daß sich die Land Registration Authority (Zuständigkeitsbereich Tagum / Davao del Norte) plötzlich weigerte, die Immobilie auf den Namen meiner Ehefrau einzutragen. Wohlgemerkt ... es ging hierbei nicht unbedingt um den ohnehin unwichtigen Zusatz "married with Sven Kassau" und erst recht nicht um eine deutsche Eigentümerschaft. Als Besitzerin sollte die philippinische Staatsbürgerin Myrna Kassau in die Dokumente eingetragen werden.

In den nachfolgenden Wochen hat meine Schwiegermutter mehrfach die Land Registration Authority besucht und dort für den Grund für die Ablehnung gefragt. Mrs. Zenaida Juan, Head of Regestry of Deeds in Tagum, hat sich mit ihrer Argumentation auf ein nicht nachvollziehbares philippinisches Gesetz bezogen. Sie war jedoch (bis zum heutigen Tage!) nicht in der Lage, diesen Gesetzestext schwarz auf weiß vorzulegen. Das gilt übrigens auch für Mr. Benedicto B. Ulep, den Administrator der Land Registration Authority, Hauptstelle in Quezon City.

Völlig anders sah jedoch die Reaktion von Mr. Leo Tito L. Ausan aus, dem philippinischen Vize-Consul in Berlin. Um es gleich vorweg zu nehmen: in diesem Mann haben wir einen Ansprechpartner gefunden, der uns mit seiner Unterstützung für die negativen Erfahrungen mit seinen Landsleuten voll entschädigt hat. Die Erfahrung, daß es auch aufrichtige und hilfsbereite philippinische Volksvertreter gibt, war letztendlich viel wichtiger als das Ergebnis seiner Bemühungen. Das gilt übrigens auch für Herrn Klaus Becker, der uns aus Bacolod City wertvolle Hinweise vermittelt hat.

Wir hatten dem Konsul die Situation ausführlich geschildert und schon am 18. Dez. 2002 ein aussagefähiges Schreiben von ihm erhalten. Hierin erklärt Mr. Leo Tito Ausan unmißverständlich, daß ein philippinischer Staatsbürger jederzeit berechtigt ist, Land auf den Philippinen zu erwerben und sich selbstverständlich auch als Eigentümer registrieren lassen kann. Im Gegensatz zu Zenaida Juan bedeutete es für ihn kein Problem, den gültigen Gesetzestext zu präsentieren. Auch hieraus gehen deutlich die Kriterien für Landkauf und -besitz hervor. Es gibt lediglich für ehemalige philippinische Staatsangehörige diverse Einschränkungen, wenn diese inzwischen eine andere Nationalität angenommen haben (z.B. die Größe des Grundstücks betreffend). Aber diese Restriktion trifft auf meine Ehefrau nicht zu.

Nachdem wir Mrs. Zenaida Juan fernmündlich über die Aussage des Vize-Consuls in Kenntnis gesetzt hatten, bat diese um "schnellstmögliche Übersendung der Dokumente zwecks endgültiger Entscheidung". Also haben wir dessen Schreiben incl. Gesetzestext per DHL (62,- €) an die Land Registration Authority in Tagum weitergeleitet und um Stellungnahme gebeten. Die telefonische Auskunft machte klar, daß hier 'mal wieder das klassisch-dummdreiste philippinische Schmierentheater gespielt wurde. Mrs. Z. Juan ließ sich weder durch den Gesetzestext noch durch die schriftliche Stellungnahme des Diplomaten beeindrucken. Obwohl sie diese Dokumente ausdrücklich angefordert hatte!

Die Beamtin blieb hartnäckig bei ihrer Ansicht, daß "eine in Deutschland lebende Filipina, die dort mit einem Deutschen verheiratet ist", nicht als Landeigentümerin eingetragen werden dürfe. Das Grundstück könne ja auf den Namen ihrer Eltern eingetragen werden. Zu einem entsprechenden schriftlichen Kommentar ließ sie sich freilich nicht überreden...was kennzeichnend für solch fragwürdige Zeitgenossen ist. - Grundsätzlich wäre es zwar akzeptabel, unser Eigentum auf den Namen meiner Schwiegereltern einzutragen. Wären wir aber dazu bereit gewesen, hätten wir Zenaida Juan bedingungslos bei der Mißachtung des vorliegenden philippinischen Eigentumsgesetzes unterstützt. Und das lag nicht in unserer Absicht. Gleichzeitig hätte sich meine Ehefrau damit abfinden müssen, daß ihr eine übereifrige LRA-Mitarbeiterin schlichtweg die angestammten Rechte raubt. Was für sie natürlich nicht einsehbar war.

Wir fassen noch einmal zusammen: Zenaida Juan erklärt, daß eine Filipina, die mit einem Ausländer verheiratet ist (z.B. mit einem Deutschen) und einen ausländischen Nachnamen trägt, kein Recht auf Besitztum hat. Das bedeutet: Auf einmal soll es nicht mehr ausreichend sein, daß sie nach wie vor philippinische Staatsbürgerin ist. Will die Land Registration Authority in Tagum damit sagen, daß die philippinische Staatsbürgerschaft plötzlich an Wert verliert, nur weil ein deutscher Nachname im Spiel ist? Diese Philosophie wäre außerordentlich alarmierend.

Aufgrund dessen haben wir uns ein zweites mal an den Vize-Consul in Berlin gewandt und ihn um Mithilfe bei der Klärung der Sachlage gebeten. Auch diesmal war Mr. Leo Tito L. Ausan bereit, uns mit weiteren Informationen zu unterstützen. Mit Schreiben vom 23. Jan. 2003 erklärt er erneut:

  • es gibt kein philippinisches Gesetz, das den Kauf und eingetragenen Landbesitz für einen philippinischen Staatsbürger verbietet;
  • es gibt keine Einschränkung oder Aufhebung dieses Bürgerrechts bei Auslands-Filipinos, die weiterhin ihre philippinische Staatsbürgerschaft besitzen;
  • notfalls sollten wir einen Rechtsanwalt in Davao City konsultieren, der zur Wahrung von Recht und Gesetz sorgt und der Eigenmächtigkeit der Mrs. Z. Juan ein Ende setzt.

Als Reaktion auf dieses zweite Abgeordnetenschreiben hat uns die LRA Tagum ein Angebot unterbreitet, das genauso spektakulär wie haarsträubend anmutet: das philipinische Eigentumsrecht würde angeblich auch die Alternative erlauben, daß der Name Myrna Candol in die Dokumente eingetragen wird. Und zwar mit dem ausdrücklich Zusatz "ledig"! Denn laut Gesetz dürfe eine Filipina, die mit einem Deutschen verheiratet ist, nur mit ihrem Mädchennamen als Besitzerin eingetragen werden - niemals aber mit dem deutschen Nachnamen.

Man stelle sich einmal vor: da sitzt ein Head of Regestry of Deeds namens Zenaida Juan in der LRA Tagum und will meine Frau ernsthaft dazu zwingen, ihre Ehe mit einem Deutschen zu diskriminieren. Sie empfiehlt ernsthaft, mit dem Besitzernamen "Myrna Candol, ledig" eine vorsätzliche Lüge in die Dokumente einzutragen. Dies ist nichts anderes als Anstiftung zur Urkundenfälschung und damit eine offiziell sanktionierte Lüge mit dem Ziel des vorsätzlichen Gesetzesbruchs. - Die Wahrheit ist, daß es selbstverständlich nicht einmal auf den Philippinen ein Gesetz gibt, das einen Gesetzesbruch legalisiert.

Wieso wird eine Filipina von ihrem Heimatland gezwungen, ihre Ehe mit einem Deutschen zu verleugnen? Denn der deutsche Nachname meiner Ehefrau steht natürlich auch in ihrem offiziellen Pass. Der Name Myrna Candol existiert offiziell nicht mehr. Es ist bekannt, daß Filipinos einen ausgeprägten und berechtigten Nationalstolz besitzen. Aber die fragwürdige Verhaltensweise der Land Registration Authority erklärt genau das Gegenteil - nämlich daß eine philippinische Staatsbürgerin mit deutschem Familiennamen plötzlich zweitklassig ist.

Die Widersprüchlichkeit in der Erklärung der Mrs. Zenaida Juan mutet genauso auffallend wie empörend an. Denn wenn der philippinische Staatsbürger nach einem Besuch wieder sein Geburtsland verläßt, endet diese fragwürdige Gesinnung spätestens am Flughafen. Dann gilt plötzlich wieder der deutsche Familienname, und der Auslands-Filipino darf 1.620,- Pesos Travel-Tax zahlen. Dieser Betrag muß bezahlt werden, WEIL z.B. die Filipina im Ausland lebt und WEIL sie dort mit einem Ausländer verheirat ist. Dann ist sie auf einmal nicht mehr zweitklassig, und sie wird auch nicht länger so behandelt, als wäre sie noch ledig.

Und auch die vielen hundert und tausende Millionen Dollar, die jährlich von Filipinas auf die Philippinen geschickt werden, empfindet man nicht als zweitklassig. Im Gegenteil: wie wir bereits festgestellt haben, bedeuten diese Einnahmen den größten Wirtschaftsfaktor auf den Philippinen. Deshalb stört sich wohl auch niemand daran, daß die Absender einen ausländischen (z.B. deutschen) Familiennamen tragen. Befinden sich die philippinischen Behörden wirklich in dem Irrglauben, daß diese jährlich überwiesenen Geldmassen allein durch ihre weiblichen Auslands-Filipinos erwirtschaftet werden? Tatsächlich stammt ein Großteil dieser Devisen von genau den ausländischen Ehemännern, deren Name auf einmal verschmäht wird.

Die Vorgehensweise der Land Registration Authority entspricht keinem glaubwürdigen und nachvollziehbaren Leitgedanken. Sie befindet sich in bester Gesellschaft mit der schamlosen "Strategie", das eigene Volk zu bevormunden und auszubluten - jahrhundertelang praktiziert von den Spaniern, Japanern, Amerikanern und jetzt von den eigenen Volksvertretern. Die meisten Filipinas scheinen sich an dieser erbärmlichen Situation nicht zu stören. Kein Wunder...sie wurden nicht ohne Grund so erzogen, daß ihre Gefügigkeit gegenüber der sog. Obrigkeit (Beamte, Politiker, Kirchen- und Sektenführer) durch nichts zu erschüttern ist.

Aber wie mag wohl die Reaktion der ausländischen Ehemänner aussehen, wenn sie erfahren, daß sie von der philippinischen Regierung lediglich als "nutzbringende Notwendigkeit" eingestuft werden? Offenbar mit dem einzigen Zweck, a:) die Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für die Filipina zu gewährleisten und b:) ordentliche Summen zum Devisenrückfluß beizutragen. Was würde die saubere Mrs. Z. Juan wohl sagen, wenn ihre gesetzverzerrende Vorgehensweise eines Tages den drastischen Einbruch der Geldüberweisungen durch empörte Auslands-Filipinos bewirkt?

Oder gibt es einen ganz anderen Grund für die dubiose Regelung beim LRA in Tagum / Davao del Norte? Hat man vielleicht Angst davor, daß dem ausländischen Ehemann eines Tages ein Teil des Grundbesitzes gehören könnte - nur weil der Familienname des Ehemannes in den Dokumenten erscheint? - Diese Befürchtung dürfte völlig unbegründet sein. Denn das philippinische Gesetz erklärt eindeutig, daß ein Ausländer KEIN Land besitzen darf. Deshalb müßte es auch völlig unerheblich sein, wenn der korrekte Name meiner Ehefrau eingetragen ist. Ich als deutscher Staatsbürger werde niemals das Recht haben, Eigentum auf den Philippinen zu besitzen. Daran ändert auch der deutsche Nachname meiner Frau nichts.

Freilich besteht darüber hinaus auch noch die Möglichkeit, notariell beurkundete Vereinbarungen zwischen den Ehepartnern zu treffen. Aber derartige Verträge dürften im Ernstfall (z.B. bei Ehescheidung) kaum Gültigkeit besitzen. Kein philippinisches Gericht würde ein privates Arrangement akzeptieren, mit dem das philippinische Gesetz unterwandert und gewissermaßen ad absurdum geführt wird.

Es stellt sich also die Frage, wie die offensichtlich falsche Behauptung der Frau Zenaida Juan wohl zu erklären ist. Es scheint so, als würde hier eine philippinische Behörde bzw. eine einzelne Sachbearbeiterin einen äußerst fragwürdigen Alleingang durchführen. Aber mit welchem Ziel? Ist die Antwort möglicherweise ganz einfach? Wartet die LRA-Dame auf eine "spezielle Sondergratifikation", die 'mal wieder etwas mit dem ganz besonderen philippinischen Kulturgut namens Korruption zu tun hat? Ja, will die gute Zenaida Juan tatsächlich nur bestochen werden? Warum sagt sie dann nicht einfach, daß sie abzocken will? Ach, stimmt ja....man spricht nicht darüber. Man tut es nur. Das hatte ich ganz vergessen. Aber für die aufgehaltene Hand dürfte es jetzt wohl zu spät sein. Jetzt sieht Mrs. Head of Regestry of Deeds wohl ein Problem darin, daß inzwischen zu viele Behörden über den Vorgang informiert wurden. Da bleibt ihr wohl nichts anderes übrig, als ihren bürgerfeindlichen Standpunkt zu verteidigen.

Vielleicht ist es deshalb endlich einmal an der Zeit, Realitästbewußtsein und Recht bei philippinischen Behörden in die richtigen Bahnen zu lenken. Was zugegebenermaßen äußerst schwer, wenn nicht gar unmöglich sein dürfte. Bis zum heutigen Tag hat es Z. Juan nicht geschafft, eine Begründung geschweige denn juristische Fakten für ihre Verweigerungshaltung zu liefern. Unser ausdrücklicher Hinweis auf das gültige Eherecht wurde genauso kaltschnäuzig ignoriert wie das Thema "Gleichbehandlungsrecht". Denn aus unserem eigenen Bekanntenkreis sind uns mehrere deutsch-philippinische Partner bekannt, die ebenfalls im vierten Quartal 2002 Land auf den Philippinen gekauft haben. Und in deren Besitzurkunde wurde problemlos der deutsche Nachname der Ehefrau sogar mit dem Zusatz "married with..." eingetragen. Diese Ehepaare hatten freilich nichts mit der LRA-Dame Zenaida Juan zu tun, weil sich deren Grundstücke in anderen Landesteilen befinden.

In den zurückliegenden Monaten haben meine Ehefrau und ich mit vielen anderen deutsch-philippinischen Freunden, Geschäftspartnern und Behörden über dieses Thema gesprochen. Das Resultat war ausnahmslos dasselbe: kein einziger Gesprächspartner wußte etwas von der angeblichen neuen Gesetzesregel, die besagt, daß ein philippinischer Staatsbürger zwar Land kaufen, aber nicht besitzen darf. Niemand mochte so recht glauben, daß auf den Philippinen - je nach Region - unterschiedliches Recht herrscht. Bis wir die entsprechenden Dokumente schwarz auf weiß präsentiert haben. Wo vorher die Fehleinschätzung bestanden hatte, daß der Umgang mit den philippinischen Behörden vermeintlich lockerer geworden sei und daß manche Abwicklung unbürokratischer, menschenfreundlicher und weniger widersprüchlich erfolge, war auf einmal jeder schockiert über das, was in der Behörde von Tagum praktiziert wird.

Allein in unserem Bekanntenkreis hat sich schon jetzt eine drastische Reaktion abgezeichnet - mehrere Familien haben ihre Absicht aufgegeben, Geld für Landkauf u.a. Investitionen auf die Philippinen zu schicken. Andere haben uns um unbedingte Information über die weitere Entwicklung der Angelegenheit gebeten. Auch diese Personen haben ihre Gelder für geplante Investitionen zunächst auf Eis gelegt. Was jetzt noch überwiesen wird, sind bestenfalls Mittel zur Familienunterstützung.

Eine befreundete Filipina hat uns auf einen weiteren beunruhigenden Aspekt aufmerksam gemacht, der durch die Eintragung des Mädchennamens meiner Ehefrau in die Eigentumsdokumente entstehen könnte. Dadurch besteht die Gefahr, daß die Land Registration Authority irgendwann die Tatsachen ins Gegenteil verkehrt und ihrerseits den Vorwurf erhebt, WIR hätten eine Urkundenfälschung begangen. Als Folge könnte es geschehen, daß man uns wegen vorsätzlichen Betrugs Grundstück mit Haus wegnimmt (weil der eingetragene Besitzer "Myrna Candol" offiziell ja nicht existiert) oder zumindest eine empfindliche Geldstrafe auferlegt. Es wäre schließlich nicht das erste mal, daß der Staat auf diese Weise zu Besitztum gelangt. Der Leitspruch dieser Filipina lautet sehr treffend: Lügner fürchten die Wahrheit nicht...wenn es nur genügend Lügner gibt.

Die ablehnende und unbegründete Haltung der Land Registration Authority wird als Schande für die Philippinen gewertet. Viele unserer Gesprächspartner empfinden diese Geschehnisse als Schlag ins Gesicht für alle deutsch-philippinischen Ehen sowie alle ausländischen Ehemänner von Filipinas weltweit. Und für den vom eigenen Heimatland abgewerteten Auslands-Filipino erst recht. Es mutet geradezu unverständlich an, daß so manche philippinische Behörde nicht zu begreifen scheint, welche wirtschaftliche Krise durch eine derartig geringschätzige Behandlung ihrer weit entfernt lebenden Landsleute entstehen könnte. Wenn derart zweifelhafte Zustände oder auch nur deren Duldung in Zukunft zum Standard erhoben werden, vergrößern die Philippinen das wirtschaftliche und gesinnungslose Krebsgeschwür, von dem sie ohnehin schon befallen sind. Schließlich wird dadurch nur eine Auswirkung erreicht - nämlich daß der Kapitalrückfluß auf alarmierende Weise stagniert. Leute wie Zenaida Juan scheinen nicht zu erkennen, daß jeder einzelne Auslands-Filipino ein potentieller Investor ist und daß jede Investition etwas bewirkt.

Allein durch die Baumaßnahme eines einzigen deutsch-philippinischen Ehepaares partizipiert die ansässige Bauindustrie, Arbeitsplätze werden geschaffen, und Baumaterial wird gekauft. Auch der vorangegangene Landerwerb läßt Geld ins Land fließen, mit dem der Grundstücksverkäufer wiederum in die Lage versetzt wird, die heimische Wirtschaft zu beleben. Aber damit ist das Profit-Karussell für die Philippinen noch längst nicht beendet. Denn wenn ein Ausländer ein Haus im Heimatland seiner philippinischen Partnerin baut, dann bedeutet dies in der Regel auch, daß dieses Ehepaar eines Tages dorthin auswandert. Der Kapitalfaktor bezeichnet dies als "Ansiedlung von echter Kaufkraft".

Anstatt derartige wirtschaftliche Zukunftsperspektiven durch besondere Anreize zu steigern, praktizieren die philippinischen Behörden genau das Gegenteil. Deshalb gibt es in unserem Bekanntenkreis mittlerweile Leute, die allmählich anfangen, dieses Land zu hassen. Obwohl sie mit Filipinas verheirat sind. Das ist eine beängstigende Entwicklung, und auch mein Hinweis, daß auch die Mißstände in dem Sauladen namens "Deutschland" fast schon philippinischen Verhältnissen ähneln, bewirkt da nur sehr wenig. Sicherlich meinen die Enttäuschten mit ihrer Kritik nicht das ganze Land und auch nicht alle Filipinos. Ihre Abneigung bezieht sich vielmehr auf eine kleine, aber leider entscheidende Bande unseriöser Zeigenossen, die die Fäden in der Hand haben und ihr Land auf so üble Weise repräsentieren.

Angesichts der jüngsten Ereignisse beginnt sich auch meine Ehefrau allmählich ihrer philippinischen Herkunft zu schämen. Womit sie sich bekanntlich in bester Gesellschaft befindet. Denn inzwischen hat selbst die regierende Präsidentin, Gloria M. Arroyo, eine zweite Amtszeit abgelehnt. Weil sie inzwischen davon überzeugt ist, daß die Mängel im eigenen Land nicht zu beseitigen sind. Welch Armutszeugnis für die Inselrepublik! Meine Frau empfindet die Forderung, ihre Ehe mit einem Deutschen zu verleugnen, als Verrat durch die eigene Volksvertretung.

Sie stellt sich die Frage, welchen Vorteil es wohl noch hat, die philippinische Staatsbürgerschaft zu behalten - wo diese nach Ansicht von Mrs. Zenaida Juan doch keinen Wert mehr besitzt und für einen Eintrag als Grundstückseigentümerin nicht ausreicht. Deshalb möchte Myrna nun nach fast 11-jährigem Deutschland-Aufenthalt unverzüglich die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Die Scham über die Anmaßung und Herabwürdigung durch die philippinischen Behörden ist so groß, daß die Identifikation mit einem nunmehr fragwürdigen Nationalstolz nicht länger vorhanden ist. Als Deutsche sind die Vorteile für meine Ehefrau vorprogrammiert. Dazu gehört beispielsweise, daß sie anläßl. ihrer nächsten Philippinen-Reise keine Travel-Tax mehr bezahlen muß...was wiederum einen Verlust für ihr ehemaliges Heimatland bedeutet.

Sven O. Kassau
Göttenbergstr. 10
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Ruf: 0 60 48 / 36 28
Fax: 0 60 48 / 18 66
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